Kategorie Deep Dive

Emissionsminderung

Die Erderwärmung steht in direktem Zusammenhang mit der Konzentration (den kumulativen Emissionen) von Treibhausgas (THG) in der Erdatmosphäre. Daher macht die Einhaltung des im Pariser Klimaabkommen verabredeten 1,5°C-Ziels eine Reduzierung der THG-Emissionen auf “Netto-Null” notwendig, was die Herstellung eines Gleichgewichts zwischen unvermeidbaren Emissionen und deren Senken (z.B. die Bindung von CO₂ in Wäldern) bedeutet.

Deutschland hat sich entsprechend zum Ziel gesetzt, in 2045 klimaneutral zu sein. Weil fast 90% der THG-Emissionen Deutschlands CO₂-Emissionen und die übrigen 10% - zumeist Methan (CH4) und Lachgas (N₂O) aus der Landwirtschaft - besonders schwer zu vermeiden sind, muss bereits einige Jahre vor der Klimaneutralität die CO₂-Neutralität erreicht sein.

Kernstrategien zur Reduzierung der CO₂-Emissionen sind (1) die Dekarbonisierung des Stromsystems, (2) der effiziente Einsatz von Energie, (3) die Elektrifizierung der Endnutzung, und (4) die Umstellung auf CO₂-freier Brennstoffe.

Laut dem geänderten Klimaschutzgesetz (KSG 2021) ist bis 2030 bereits eine Reduktion der THG-Emissionen um mindestens 65% gegenüber 1990 notwendig, bis 2040 um 88%. In einzelnen Sektoren müssen zudem bis 2030 festgelegte Jahresemissionsmengen (“Sektorziele”) eingehalten werden; laut Beschluss des Koalitionsausschusses der Bundesregierung vom März 2023 ist allerdings eine Abkehr von den Sektorzielen und stattdessen eine Gesamtbetrachtung der Emissionen über alle Sektoren hinweg geplant.

In der Energiewirtschaft wurden bis 2020 die THG-Emissionen im Vergleich zu 1990 um 54% reduziert, im Gebäudesektor um 41%, in der Industrie um 37% und im Verkehrssektor nur um 11%. Für ein Erreichen der KSG-Ziele sind also weiterhin schnelle, starke und umfassende Reduktionen nötig, insbesondere in Sektoren mit bisher niedrigen Einsparungen.

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viel zu langsam
zu langsam
erfolgreich

Gesamte jährliche Treibhausgasemissionen

126% erfolgreich im Vergleich zum Szenario Technologiemix
Sondereffekt
Energiekrise

Gesamte jährliche in Deutschland verursachte Treibhausgasemissionen; zum größten Teil sind das energiebedingte CO₂-Emissionen, die bei der Umwandlung von fossilen Energieträgern - vor allem in Strom und Wärme - und bei der stofflichen Nutzung in industriellen Prozessen entstehen.

Der überwiegende Teil der Treibhausgasemissionen in Deutschland sind CO₂-Emissionen, wovon der größte Teil bei der Umwandlung fossiler Energieträger in elektrische oder thermische Energie (Strom oder Wärme) und in industriellen Prozessen freigesetzt wird (zusammen 88% der THG-Emissionen in 2020). Für knapp 35% dieser energie- und prozessbedingten CO₂-Emissionen ist in Deutschland die Energiewirtschaft verantwortlich, gefolgt von der Industrie und dem Verkehrssektor mit jeweils über 20%, den privaten Haushalten (15%), dem Gewerbe (5%) und der Landwirtschaft (1%) (in 2020; UBA 2023).

Zentrale Punkte

  1. Der deutliche und schnelle Rückgang der CO₂-Emissionen ist essentiell für das Erreichen der Klimaziele 2030 und der Klimaneutralität 2045.
  2. Das Tempo bei CO₂-Einsparungen muss sich etwa verdoppeln, damit Deutschland die Klimaziele 2030 einhält.
  3. Notwendig ist dazu eine Beschleunigung beim Ausbau Erneuerbarer Energien (z.B. Solar- und Windenergieanlagen), beim Hochlauf von Technologien zur direkten Nutzung des erneuerbaren Stroms (z.B. Wärmepumpen und E-Autos) und beim Ausstieg aus fossilen Energien (z.B. durch Abbau von Öl- und Gasheizungen oder Verbrenner-Pkw).

Jährliche THG-Emissionen der Energiewirtschaft

117% erfolgreich im Vergleich zum Szenario Technologiemix

Jährliche THG-Emissionen, die in der Energiewirtschaft etwa durch Umwandlung von Energieträgern in Strom und Wärme, aber auch durch die Förderung von Energieträgern oder die Herstellung von Kraftstoffen in Raffinerien entstehen.

Die THG-Emissionen der Energiewirtschaft sind stark von der fossilen Stromerzeugung dominiert, außerdem von der Wärmeerzeugung und der Kraftstoffherstellung in Raffinerien. Aufgrund des steigenden CO₂-Preises im europäischen Emissionshandel und dem (teils) daraus folgenden Rückgang der Kohleverstromung sind in 2015-20 auch die Emissionen deutlich gesunken. In 2020 haben dazu auch eine geringere Stromnachfrage als Folge der Corona-Pandemie und eine wetterbedingt höhere Stromerzeugung aus Windenergie beigetragen.

Zentrale Punkte

  1. In 2015-2020 sind die THG-Emissionen der Energiewirtschaft vor allem aufgrund der geringeren Kohleverstromung gesunken; 2021 und 2022 zeigen einen erneuten Anstieg, der aber durch kurzfristige Sondereffekte erklärt ist.
  2. Durch den Ersatz von fossilen Kraftwerken durch Wind und PV sind in der Energiewirtschaft THG-Einsparungen vergleichsweise leicht zu erzielen
  3. Die erfolgreiche Defossilisierung der Stromerzeugung ist besonders relevant für die klimaneutrale Elektrifizierung der Industrie, des Verkehrs und der Gebäudewärme.

CO₂-Emissionen pro erzeugter Einheit Strom

22% viel zu langsam im Vergleich zum Szenario Technologiemix

CO₂-Emissionen, die in der Energiewirtschaft bezogen auf die Netto-Stromerzeugung (abzüglich Eigenverbrauch der Kraftwerke) entstehen.

Klimaschutzszenarien zeigen übereinstimmend, dass Strom der Energieträger ist, der am schnellsten und am einfachsten dekarbonisiert werden kann. Dies zeigt sich anhand der CO₂-Intensität der Stromerzeugung: Diese sinkt in den Zielszenarien bereits bis zum Jahr 2030 auf 50-80 gCO₂/kWh, im Vergleich zu 330-370 gCO₂/kWh in den Jahren 2019-21.

Zentrale Punkte

  1. Klimaschutzszenarien zeigen übereinstimmend, dass Strom der Energieträger ist, der am schnellsten und am einfachsten dekarbonisiert werden kann.
  2. Seit 2015 ist die CO₂-Intensität der Stromerzeugung jährlich um etwa 20 gCO₂/kWh gesunken, was der notwendigen Dekarbonisierung in den Ariadne-Zielszenarien entspricht.
  3. Wesentlich für die Zielerreichung sind der schnelle Kohleausstieg und der beschleunigte Erneuerbaren-Ausbau.

Jährliche THG-Emissionen des Verkehrssektors

97% erfolgreich im Vergleich zum Szenario Technologiemix

Der Indikator enthält im Sinne der KSG-Bilanzierung jährliche THG-Emissionen nach dem Quellenprinzip, d.h. die Emissionen, die bei der direkten Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Benzin, Diesel oder Kerosin entstehen. Emissionen während der Energieerzeugung und -bereitstellung sind nicht enthalten.

Bei den THG-Emissionen des Verkehrssektors handelt es sich zu 99% um CO₂-Emissionen (UBA, 2023). In den vergangenen drei Jahrzehnten haben sich die jährlichen sektoralen CO₂- Emissionen im Mittel nicht reduziert.

Zentrale Punkte

  1. Die Zielpfade der Ariadne-Szenarien erreichen im Jahr 2045 nahezu Klimaneutralität im Verkehrssektor.
  2. Die Bandbreite der Modelle und Szenarien macht deutlich, dass zusätzlich weitere Maßnahmen zur Emissionsminderung nötig sind.
  3. Emissionen, die der Verkehrssektor insgesamt zu viel ausstößt, müssen durch andere Sektoren ausgeglichen werden.

Jährliche THG-Emissionen des Gebäudesektors

119% erfolgreich im Vergleich zum Szenario Technologiemix
Sondereffekt
Energiekrise

Der Indikator zeigt jährliche THG-Emissionen, die bei der direkten Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Erdgas oder leichtem Heizöl in Wohn- und GHD-Gebäuden entstehen, um Heizwärme oder Warmwasser zu erzeugen. Emissionen des Bausektors, der Fernwärme- oder der Stromerzeugung sind nicht enthalten.

Das Bundesklimaschutzgesetz (KSG) legt jährlich zulässige Emissionsmengen für den Gebäudesektor fest. Sie sind damit ein wesentlicher Benchmark für die Einordnung der Transformation des Sektors. CO₂-Emissionen machen im Gebäudesektor den Hauptteil der THG-Emissionen aus. Gegenüber dem Jahr 2015 haben sich die Emissionen bis zum Jahr 2021 um rund 7% reduziert.

Zentrale Punkte

  1. Die THG-Emissionen des Gebäudesektors sind eine zentrale Größe zur Messung des Fortschritts der Energiewende.
  2. In den Jahren 2020, 2021 und 2022 hat der Sektor die gesetzlichen Ziele verfehlt, sodass politisch durch Sofortprogramme nachgesteuert werden muss.
  3. Der bisherige Trend weist erhebliche Lücken zu den politischen Zielen, wie auch den Zielpfaden aus den Ariadne-Szenarien auf: die Geschwindigkeit der Dekarbonisierung des Sektors muss deutlich zunehmen.

CO₂-Emissionen der Wohngebäude pro Wohnfläche

84% zu langsam im Vergleich zum Szenario Technologiemix
Sondereffekt
Energiekrise

Der Indikator bezieht die CO₂-Emissionen des Gebäudesektors, die bei der direkten Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Erdgas oder leichtem Heizöl in Wohngebäuden zur Erzeugung von Heizwärme oder Warmwasser entstehen, auf die gesamte Wohnfläche in Deutschland.

Die flächenspezifischen CO₂-Emissionen der Wohngebäude zeigen in den letzten Jahren keinen eindeutigen Trend. Nach einer Reduktion in den Jahren 2015-2018 war in den Jahren 2019 und 2020 ein deutlicher Anstieg zu beobachten, gefolgt von einem erneuten, deutlichen Rückgang in 2021 und 2022.

Zentrale Punkte

  1. Die CO₂-Emissionen pro Wohnfläche weisen in den letzten Jahren keine eindeutige Entwicklung auf, insbesondere gibt es keinen klaren Fortschritt bei der Emissionsvermeidung.
  2. Basierend auf dem längerfristigen Trend seit 2015 zeigt sich eine deutliche Lücke zu den Ariadne-Zielpfaden.

Jährliche energie- und prozessbedingte THG-Emissionen des Industriesektors

206% erfolgreich im Vergleich zum Szenario Technologiemix
Sondereffekt
Energiekrise

Jährliche THG-Emissionen des Industriesektors, die aus der Nutzung fossiler Energieträger und in chemischen Prozessen der Materialverarbeitung entstehen. Nicht enthalten sind Strom- und Fernwärmeerzeugung (siehe Umwandlungssektor).

Dies ist der Hauptindikator für die Zielerreichung des Sektors. Er bedient die europäischen und internationalen Berichtspflichten, auch das Sektorziel der Bundesregierung bezieht sich darauf. Für eine gelungene Transformation und die Erreichung der Klimaziele ist neben dem Zwischenziel 2030 eine beinahe vollständige Vermeidung der THG-Emissionen bis 2045 notwendig (etwa -95% gegenüber 1990 bzw. etwa -92% gegenüber 2015).

Zentrale Punkte

  1. Die Reduktion der THG-Emissionen muss stark beschleunigt werden.
  2. Null-Emissionen werden vermutlich in der Industrie nicht erreicht.
  3. Der Indikator setzt sich aus energie- und prozessbedingten THG-Emissionen zusammen, die unterschiedlich adressiert werden müssen.

Jährliche energie- und prozessbedingte CO₂-Emissionen der Industrie pro Einheit Bruttoinlandsprodukt

299% erfolgreich im Vergleich zum Szenario Technologiemix
Sondereffekt
Energiekrise

Dieser Indikator setzt die jährlichen CO₂-Emissionen des Industriesektors in Bezug zur Gesamtwirtschaft, ausgedrückt im Bruttoinlandsprodukt. Er zeigt damit die Emissionsintensität des Sektors.

Die Angabe der spezifischen CO₂-Emissionsintensität bereinigt die CO₂-Emissionen der Industrie um Wachstumseffekte. Für die Erreichung der Klimaziele ist unabhängig vom wirtschaftlichen Wachstum eine starke Emissionsminderung notwendig.

Zentrale Punkte

  1. Die CO₂-Emissionsintensität der Industrie muss bis 2045 ähnlich wie die absoluten Emissionen auf nahezu Null sinken.
  2. Die Kombination der beiden Indikatoren ermöglicht eine Abschätzung des Erfolgs der Transformation, indem die Abwanderung industrieller Wertschöpfung als potenzielle alleinige Ursache der Emissionsminderung ausgeschlossen wird.
  3. Sinken die absoluten THG-Emissionen und die Emissionsintensität, kann von einer erfolgreichen Transformation durch Substitution emissionsintensiver Inputfaktoren bei Erhalt der Wertschöpfung ausgegangen werden.